Für uns beginnt diese wundervolle, magische Phase, in der Kinder anfangen, vorgelesene Geschichten wirklich zu verstehen. Sie tauchen ein, fragen nach, lachen an den richtigen Stellen – und plötzlich bringt das Vorlesen wieder ganz neue Freude.
Denn ab etwa sechs Jahren, also rund um Vorschule und erste Klasse, beginnt diese Zeit. Ich genieße sie so sehr!
Ich war die klassische Deutsch-LK-Schülerin, die Bücher verschlungen hat. Doch dann begann das Leben nach der Schulzeit – Studium, Karriere, Kinder, Alltag. Bücher wurden kürzer, praktischer, lehrreicher.
Fachbücher, Elternratgeber, mal ein Roman zwischendurch. Doch dieses echte Eintauchen, das Versinken in Geschichten? Das ist selten geworden und fällt mir ehrlich gesagt auch zunehmend schwerer.
Aber jetzt beginnt hier eine neue Ära.
Denn mit meinem älteren Kind, das inzwischen sieben ist, lese ich endlich wieder richtig.
Diese Bücher öffnen nicht nur Kinderherzen, sondern auch mein eigenes. Und ich hoffe sehr, meinem Kind diese Lesefreude genau JETZT mitgeben zu können.
Und falls du auf der Suche bist nach Kinderbüchern ab 6 Jahren, möchte ich dir heute von Herzen meine aktuellen fünf Favoriten vorstellen.
Wir lieben sie hier, lesen sie gerne vor.
1. „Pettersson und Findus: Unsere schönsten Abenteuer“ von Sven Nordqvist — die Geschichten, die nie alt werden
Okay, starten wir mit einem Klassiker: Eigentlich schon für Kinder ab 4 empfohlen, entfalten die Bücher von Sven Nordqvist für mich ab sechs Jahren nochmal eine ganz andere Wirkung.
Die Illustrationen, die kleinen Details, die charmante Beziehung zwischen dem alten Pettersson und seinem quirligem Kater Findus – das alles ist einfach pures Wohlgefühl und Heimeligkeit.
Was ich daran so mag: Diese Bücher sind ruhig, genügsam, menschlich. Sie erzählen vom Alltag, vom Basteln, vom Erfinden, vom Zusammenleben – und das auf eine so phantasievolle Weise, dass man als Erwachsene mitliest, schmunzelt und innerlich tief durchatmet.
Ganz ohne große Abenteuer und Spannungsmomente, die für manche Kinder ja noch zu viel sein können. Pettersson und Findus-Geschichten entschleunigen, ohne langweilig zu sein. Eine ideale Mischung.
2. „Neon und Bor – Erfinderkinder „von Marc-Uwe Kling/Jan Cronauer
Wer Marc-Uwe Kling kennt, weiß, was ihn erwartet: Sprachwitz, Gesellschaftskritik und eine große Portion Fantasie. Doch in Neon und Bor – Erfinderkinder hat er etwas geschaffen, das für mich über das Übliche hinausgeht und exakt für diese Altersgruppe gemacht ist.
Neon ist eine Siefinderin – nicht Erfinderin – und das alleine ist schon herrlich.
Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Bor, der auch etwas spezieller ist, denkt sie sich absurde, großartige Erfindungen aus. Mein Kind war sofort Feuer und Flamme und wollte nach dem Lesen selbst mit dem Erfinden loslegen: eine Aufräummaschine, eine Verdopplungsmaschine, um sich selbst in die Schule zu schicken.
Was ich liebe: Das Buch ist klug, unfassbar witzig, modern – und es bricht spielerisch mit Rollenklischees. Mädchen, die tüfteln und erfinden, werden genauso selbstverständlich dargestellt wie der Papa, der den Haushalt schmeißt, während die Mutter mit einem U-Boot in der Ostsee forscht.
Und trotzdem steht der Spaß immer im Vordergrund.
3. „Lichterland 1: Die Suche nach dem magischen Amulett“ von Carolin Jelden/Laura Bednarski — ein Traum aus Fantasie und Freundschaft
Es gibt Bücher, da geht mir einfach das Herz auf. Und Lichterland ist für mich genau so eines.
Diese Geschichte lädt zum Träumen ein, ist voller Fantasie, Freundschaft und Abenteuer. Ich ertappe mich oft dabei, dass ich mitlese, als wäre ich wieder acht Jahre alt – und genau das ist das Schöne.
Das Buch steckt voller liebevoller Details und schafft es, die kindliche Vorstellungskraft anzuregen, ohne zu überfordern. Es ist kein Buch, das man mit 6 Jahren einfach „mal eben“ vorliest – man taucht ein. Kinder müssen schon gut zuhören können, aber wenn sie das tun, dann ist Lichterland eine magische Reise, die die Fantasie der Kinder zum Aufblühen bringt.
Es gibt Knisterblumen, Leuchtschnecken und Kerzenkobolde und noch so viel mehr. Wer jetzt schon lächeln muss, sollte sich das Kinderbuch definitiv besorgen.
4. „Kekskrümel im All: Wie groß ist die Unendlichkeit“ von Dagmar und Heino Falcke– eine galaktisch schöne Geschichte
Allein der Titel ist wundervoll. Kekskrümel im All klingt verspielt – und das ist es auch. Aber das Buch kann mehr als nur unterhalten. Es verbindet auf liebevolle Weise den Himmel und das Universum mit kindlicher Neugier und großem Staunen.
Am Anfang wird behutsam darüber gesprochen, was passiert, wenn jemand stirbt. Nur ganz kurz, ohne Traurigkeit, sondern mit einem offenen, staunenden Blick. Dann wird die Frage geklärt, wie es eigentlich im Himmel so ist.
Es geht es ins All, zu Planeten, großen Zahlen und weit entfernten Galaxien. Da kommt man auch als Erwachsener sehr ins Staunen.
Mein Kind liebt die Vorstellung, durchs All zu fliegen, und ich liebe, wie der Papa seiner Tochter Jana in der Geschichte vorliest. Es ist ein wunderschönes Bild. Ans Herz geht mir auch, wie mein Sohn nun gerne mal mit einer Taschenlampe zum Mond leuchtet, wie das im Buch getan wird.
So süß! Und: Es gibt inzwischen sogar eine Fortsetzung!
5. „Ein Freund wie kein anderer 1“ von Oliver Scherz/Barbara Scholz – eine Freundschaft fürs Herz
Dieses Buch hat mich mehrfach zu Tränen gerührt. Ein Freund wie kein anderer ist eine warmherzige, kluge, süße und zutiefst menschliche Geschichte über Freundschaft, Anderssein und Zusammenhalt.
Aber: Ohne wirklich kitschig zu werden. Ich heule halt einfach schnell.
Klar ist, dass für Kinder ab 6 Jahren Freundschaft ein riesiges Thema ist. Sie beginnen, ihre ersten festen Bindungen außerhalb der Familie zu erleben. Erleben Streit und Zusammenhalt. Dieses Buch fängt das so feinfühlig ein und gleichzeitig ist es einfach eine schöne Geschichte, der mein Kind gerne lauscht.
Es ist eines dieser Bücher, die man beim Vorlesen selbst fühlt und die einen daran erinnern, wie wichtig Freundschaft ist. Es ist übrigens das einzige Buch meiner Vorstellung hier, indem keine Menschen in der „Hauptrolle“ stehen.
Eine besondere Auszeichnung, denn ich finde es ab diesem Vorlese-Alter auch so besonders, dass die Hauptfiguren aufhören, immer als Tier verpackt zu werden. Hier eine Ausnahme!
Fazit: Vorlesen ab 6 Jahren – warum ich daran festhalte
Mein Kind ist nun sieben und ich merke, wie sich die Themen verschieben. Gefühle, Freundschaft, Miteinander sind so wichtig. Gleichzeitig dürfen Bücher jetzt mehr können, als Gefühle zu erklären.
Fantasie, Humor, Abtenteuer. Ich finde es ehrlich erfüllend, nun ein Stück weit Abstand zu nehmen von Büchern, die doch recht pädagogisch wirken und eine Lebenslektion vermitteln wollen.
Das hat eine Zeitlang Freude gemacht und ist meines Erachtens auch sinnvoll, Kinder auf diese Weise an diese Themen heraunzuführen. Und doch: Kinder müssen nicht aus jedem Buch etwas lernen. Sie dürfen einfach Freude am Lesen beziehungsweise Vorlesen haben.
Die besten Geschichten schaffen sowieso beides: Sie unterhalten und hinterlassen Spuren. Diese fünf Bücher tun genau das.
Also du merkst, ich liebe dieses Vorlesealter. Es ist vielleicht nicht mehr ewig, aber jetzt, in diesem Moment, werde ich es genießen und noch mehr spannende Bücher entdecken, bevor meine Kinder in das Alter kommen, in dem ICH wieder mehr Zeit für Erwachsenenromane bekomme.

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