Ich hab’s ja lange nicht geglaubt: Dass mich mal ein halbleerer Kleiderschrank wirklich zufriedener machen könnte. Ich war immer Team „Ich hab einen ganz Schrank voll nichts zum Anziehen”.
Jedes Mal dasselbe Spiel, das du vielleicht auch kennst: Ratlos davorstehen, irgendwas halbherzig anziehen, unzufrieden sein. Glauben, dass man noch mehr Kleidung braucht. Und im eigenen Zuhause wächst einem das Chaos über den Kopf.
Doch eines Tages kam der Wandel. Ich bin hier ehrlich: Marie Kondo war meine Minimalismus-Einstiegsdroge. Ich las ihr buch, mistete aus wie eine Weltmeisterin, über Tage, Wochen. Und informierte mich mehr über den bewussten, einfachen Lifestyle.
So stieß ich eines Tages auf das Konzept der Capsule Wardrobe. Weniger Kleidung, dafür bessere Teile. Ordnung im Schrank. Stilvolle Outfits.
Und ich sags dir: Das hat mich sofort abgeholt. Längst habe ich gemerkt, dass mein kreativer Kopf Ordnung & Struktur liebt und braucht. Gleichzeitig bin ich nicht bereit, meine Liebe für die schönen Dinge, für ein schönes Zuhause und auch stillvolle, qualitative Kleidung aufzugeben.
Was ich heute daran so liebe: Wenn ich morgens den Schrank öffne, sehe ich nur Stücke, die ich wirklich gerne trage. Jedes Teil hat einen Platz. Jedes Teil fühlt sich schön an.
Die Kleiderwahl ist keine Qual und ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich mir mal ein neues Teil gönne. Ich kaufe nur Kleidung, die mir steht, die zu meinem Stil passt und ich definitiv über einen sehr langen Zeitraum tragen werde.
Und darum möchte ich dir heute das System der Capsule Wardrobe näherbringen und dir von Grundauf mal erklären.
Was ist eigentlich eine Capsule Wardrobe?
Kurz gesagt: Eine Capsule Wardrobe ist eine minimalistische Garderobe, die aus wenigen, gut kombinierbaren Lieblingsstücken besteht.
Das Konzept stammt ursprünglich aus den 1970ern – von Susie Faux, einer Londoner Boutique-Besitzerin, die ihren Kundinnen zeigen wollte, dass man mit einer kleinen, hochwertigen Auswahl an Kleidung immer gut angezogen ist.
Das Ziel der Capsule Wardrobe:
Nie wieder zu viel Kleidung zu besitzen, sondern nur noch die Teile, die du wirklich liebst und brauchst.
Und bitte: Eine Capsule Wardrobe bedeutet keineswegs, langweilig zu werden. Im Gegenteil! Sie hilft dir sogar dabei, deinen Stil zu finden und dich selbst darin wiederzuerkennen.
Was ich an der Idee der Capsule Wardrobe besonders schätze:
Sie ist unglaublich flexibel. Du kannst sie immer wieder an deinen Alltag, deine Jahreszeit oder deine Stimmung anpassen. Sie passt sich dir an. Nicht umgekehrt.
Und das ist mir auch wichtig zu sagen: Wenn sich ein Konzept für dich nicht stimmig anfühlt, dann ist es das nicht. Dein Kleiderschrank sollte dir Freude bringen.
Warum eine Capsule Wardrobe so viel Sinn macht
Ich geb’s zu: Ich war nie die große Trendsetterin, was Fashion anging. Dabei war ich dennoch sehr modeinteressiert und wollte stilvoll gekleidet sein. Darum hat mich mein Kleiderschrank einfach irgendwann so genervt. Ich hatte zu viel. Und gleichzeitig nicht das Richtige. Denn zu viele Fehlkäufe, zu viele „Vielleicht ziehe ich das ja irgendwann mal an“-Teile oder “Aber das ist jetzt angesagt”-Teile.
Mit einer Capsule Wardrobe ist Schluss damit. Hier sind die Vorteile, die mich persönlich überzeugt haben:
Übersichtlicher Kleiderschrank: Ich sehe ganz genau, was ich besitze. Kein Klamottenstapel-Tetris mehr. Nichts ist eingequetscht oder versteckt.
Weniger Stress: Keine endlosen Entscheidungsorgien am Morgen. Es passt alles zusammen. Ich muss mich nur entscheiden, ob mir heute eher nach Hose, Kleid oder Rock ist.
Bewusster Konsum: Ich kaufe so viel weniger, aber dafür gezielter. Statt auf Trendteile zu setzen oder verzweifelt im SALE irgendwas zu kaufen, setze ich auf die Kleidungsstücke, die ich wirklich brauche und tragen werde.
Mehr Stil: Alles harmoniert miteinander. Ich kann viel kombinieren, ohne groß nachzudenken. Einmal entschieden, was zu mir passt und die Outfit-Wahl ist leicht.
Ordnung & Ruhe: Und ja, ein aufgeräumter Schrank ist ein kleiner Zen-Moment im Alltag. Es tut gut. Gerade für einen kreativen Kopf wie ich ihn habe, braucht es einfache Systeme im Alltag.
Wenn du zu den Menschen gehörst, die morgens oft das Gefühl haben, sie hätten „nichts anzuziehen“, obwohl der Schrank platzt, dann wird dir diese Methode guttun.
Du gewinnst dadurch nicht nur Platz und sparst Geld, sondern auch Zeit, Klarheit und Stil. Wer möchte das nicht?
Doch wie erstellt man eine Capsule Wardrobe?
Anleitung: Wie ich meine Capsule Wardrobe erstellt habe
1. Der radikale Start: Ausmisten
Ohne Ausmisten geht gar nichts. Sorry, da musst du durch. Ich habe mir wirklich ein Wochenende Zeit genommen, alles aus dem Schrank zu holen und einmal alles auf mein Bett zu legen.
Erst da wird dir bewusst, wie viel du wirklich besitzt. Sei vorgewarnt, denn es ist ein bisschen erschreckend, ehrlich gesagt. Habe ich in meinem Extra-Beitrag zum Kleiderschrank ausmisten im Detail erläutert.
Ich sortiere nach Kategorien: behalten, verschenken/spenden, verkaufen, entsorgen. Wirklich nur Lieblingsteile dürfen bleiben. Solche, bei denen ich sofort denke: Ja, das bin ich. Das passt zu meinem Stil. JETZT!
Und wer sich gerade denkt „Aber das war teuer!“ oder „Vielleicht trag ich das irgendwann wieder“. Glaub mir, sortiere es aus. Irgendwann kommt nicht. Und das Geld kommt auch nicht zurück. Das Loslassen befreit dich. Plötzlich fühlst du dich leichter und sicherer.
Ein kleiner Tipp: Wenn du dir wirklich sehr unsicher bist bei dem einen oder anderen Teil (es sollten nicht mehr als eine Handvoll sein), pack sie nochmal für ein halbes Jahr in deinen Schrank.
Bleiben sie ungetragen: weg damit!
2. Stil definieren: Wer bin ich eigentlich modisch?
Der vielleicht wichtigste Schritt, der eigentlich schon während des Ausmistens stattfindet. Ich habe mich gefragt: Was trage ich wirklich gerne? Nicht, was ich cool finde, sondern was ich tatsächlich im Alltag anziehe. Womit fühle ich mich richtig wohl UND schön?
Bei mir ist das eine Mischung aus femininem Paris-Chic und cozy Home Office. Bequeme Stoffe, neutrale Farben und ganz klar: kein Zwang zum Bügeln (wer hat dafür bitte Zeit?!).
Tipp: Schau dir deine Lieblingsoutfits an”. Wenn du etwas trägst, worin du dich richtig gut fühlst. Was haben sie gemeinsam? Farben? Schnitte? Stoffe? Daraus ergibt sich oft dein ganz persönlicher Stil.
Wenn du magst, erstelle dir ein Moodboard, zum Beispiel auf Pinterest. Das hilft enorm, um deinen Look zu visualisieren. Du wirst schnell merken, dass sich bestimmte Elemente oder Farben wiederholen.
Genau das ist deine Stil-DNA.
3. Farbkonzept finden
Eine Capsule Wardrobe lebt davon, dass sich alle Teile gut kombinieren lassen. Und das funktioniert nur mit einem klaren Farbkonzept.
Ich habe mich für eine neutrale Basis entschieden, die ich mag und zu meinem Typ passt. Zugegeben, ich bin da eher schlicht unterwegs: Schwarz, Weiß, Grautöne. Plus Jeans. Doch dazu und setze kleine Akzente mit Rosa, Flieder, Hellblau und Khaki.
Diese Farben lassen sich super miteinander kombinieren, wirken immer harmonisch und passen zu meinem Hautton. Es gibt einige, die behaupten, ich sei ein Herbsttyp. Doch meine Haut ist sehr hell und ich fühle mich in vielen warmen Tönen einfach nicht wohl.
Wenn du da auch unsicher bist, was deine Season Color ist: Schau in deinen Kleiderschrank. Die Farben, die du ohnehin am meisten trägst, sind oft schon dein natürlicher Farbfokus.
Und falls du jetzt die Sorge hast:
Eine Capsule Wardrobe muss nicht nur aus Basics und Basic-Farben bestehen. Wenn du kräftige Farben liebst, integriere sie bewusst. Zum Beispiel als Statement-Stück, das dir jedes Mal ein gutes Gefühl gibt.
Auch ich habe zusätzlich zu meiner alltäglichen Kleidung noch Highlight-Teile, zum Beispiel einen knallroten Pullover, den ich echt gerne anziehe, wenn ich ausgehe.
4. Outfit-Formeln für die Capsule Wardrobe erstellen
Formeln? Das klingt ziemlich nerdig, hat sich aber schnell als mein Lieblingspart der Capsule herausgestellt. Um meinen Kleiderschrank sinnvoll zu füllen, überlege ich mir kleine Outfit-Formeln, die für mich immer funktionieren.
Zum Beispiel:
- Jeans + weißes Shirt + Strickjacke + Sneaker
- Minirock + Pulli + Loafers
- Leggings + Minikleid + Pulli + Sneaker
- Minirock + weißes Shirt + Strickjacke + Loafers
So habe ich eine Art „Outfit-Baukasten“, aus dem ich mich jeden Tag bedienen kann. Ich muss nicht mehr nachdenken, was zusammenpasst. Ich weiß es einfach. So habe ich von allen Bestandteilen eine kleine Auswahl und generell harmoniert alles zusammen.
Klingt kompliziert?
Ganz entspannt bleiben! Denn mit der Zeit entwickelst du ein ganz neues Selbstverständnis für deinen Stil. Es ist ein bisschen, als würdest du dein eigenes Capsule-Label kuratieren. Und du bist die Designerin für deine eigene Fashion Show…haha.
5. Garderobe Stück für Stück ergänzen
Viele denken, sie müssen sich ihre Capsule Wardrobe jetzt sofort an einem Wochenende komplett neu kaufen. Auch ich habe mich damit anfangs gestresst, denn da kickt auch der Perfektionismus ein bisschen.
Doch natürlich ist das Quatsch – und dazu auch nicht nachhaltig. Ich habe erst einmal mit dem gearbeitet, was ich hatte und dann Stück für Stück ergänzt. Grundsätzlich merkst du auch erst beim Tragen, was dir vielleicht fehlt.
Wenn mir also auffiel, dass ich etwas wirklich vermisse, z. B. eine rosa Strickjacke oder ein gut sitzendes weißes T-Shirt mit einem Twist, habe ich ganz gezielt danach gesucht und es gekauft.
Dafür landen Fehlkäufe heute praktisch gar nicht mehr in meinem Schrank.
Daher mein Tipp: Investiere in Qualität statt Quantität. Ein hochwertiges Teil, das du über Jahre trägst, ist nachhaltiger und macht langfristig glücklicher als zehn günstige Trendteile, die nach drei Wäschen Form verlieren.
(Das muss aber auch nicht total teuer sein. Auch ich kaufe sehr gerne bei H&M und Zara).
Wie viele Teile gehören in eine Capsule Wardrobe?
Schwieriges Thema. Die magische Zahl 37 kursiert ja oft durchs Internet, aber ganz ehrlich? Ich halte nichts von starren Regeln. Jeder Mensch hat ein anderes Empfinden, was „ausreichend“ ist.
Und auch, was zur Capsule Wardrobe dazu gehört. Accessoires und Schuhe zum Beispiel. Ich zähle sie dazu, aber andere wiederum nicht.
Ich bin aber davon überzeugt, dass es nicht um Zahlen geht, sondern um dein ganz persönliches Empfinden.
Wenn du alles trägst, was du besitzt, ist es doch perfekt. Wenn du das Gefühl hast, dass du etwas vermisst, dann ergänze das bewusst. Kleidung ist eben auch Ausdruck.
Ich selbst habe pro Saison etwa 40 bis 50 Teile (ohne Unterwäsche, Schlafsachen & Sportkleidung). Ich zähle das nicht wirklich nach. Ich fühle mich gut angezogen, habe Abwechslung, etwas Puffer, weil wir ja auch regelmäßig Kleidung waschen müssen und trotzdem genug Ordnung und Struktur.
Was heißt pro Saison? Sehr viele Teile sind für mich ganzjährig relevant. Aber ein Wintermantel gehört in die Winter Capsule und ein leichtes Sommerkleid in die Capsule Wardrobe für den Sommer. Ich versuche jedoch keine allzu große Wissenschaft drauf zu machen.
Mir ist wichtig, dass mein Kleiderschrank übersichtlich bleibt und ich wirklich jedes Teil mit Freude trage. So habe ich kein schlechtes Gewissen und es gibt keine Fehlkäufe.
Und ich fühle mich jeden Tag stilvoll und ganz nach meinem Geschmack angezogen – ob nun im Home Office oder bei einer Date Night.
Capsule Wardrobe = lebendig statt starr
Ich sehe meine Capsule Wardrobe demnach nicht als festgefrorenes System, sondern als ein sehr dynamisches Konzept.
Ich tausche Teile aus, wenn sie kaputtgehen oder mir nicht mehr gefallen und gönne mir auch mal etwas Neues. Das aber eben sehr bewusst.
Wichtig ist, dass die Grundstruktur bleibt. Dass du deine Garderobe kennst. So entstehen nachhaltige Routinen und am Ende ein Stil, der wirklich du bist.
Ich kann dir sagen: Einmal mit der Capsule Wardrobe begonnen, entwickelst du automatisch ein besseres Gespür für Mode und deinen Stil. Du lernst, Qualität zu erkennen, Farben zu kombinieren und bewusst einzukaufen.
Du verabschiedest dich von Trend-Fomo, sondern entwickelst ein ganz anderes Mindset und Stilbewusstsein.
Meine Erfahrung: Eine Capsule Wardrobe ist kein Verzicht
Wenn ich heute meinen Kleiderschrank öffne, sehe ich: Ruhe. Übersicht. Ordnung. Und vor allem: nur meine Lieblingsstücke.
Ich muss nicht mehr überlegen, ich muss nichts mehr suchen. Jede Outfitkombination fühlt sich einfach richtig an.
Eine Capsule Wardrobe ist für mich kein Dogma, sondern eine Form von Selbstfürsorge. Sie steht für bewussten Konsum, für Stilbewusstsein und Klarheit. Denn ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass meine Garderobe nicht langweilig geworden ist. Ich fühle mich in meinen Outfits einfach so viel wohler und bin, für mein Empfinden, immer gut gekleidet.
Und ehrlich gesagt: Die Capsule Wardrobe spart morgens so viel Zeit. Die kann ich dann zum Beispiel in meine Morgenroutine für die Hautpflege stecken. Oder sie geht fürs Hair Oiling drauf.
Also wer weiß. Vielleicht entdeckst du beim Reduzieren ja auch ein bisschen mehr von dir selbst. Viel Spaß beim Erstellen deiner Capsule Wardrobe.


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